Wenn die Spitzenmedizin nach Hause kommt

Hochspezialisierte Medizin ist in aller Munde und die politischen Diskussionen zu diesem Thema füllen die Seiten der nationalen Medien. Viel weniger Aufsehen erregt es, wenn eine Familie ein Kind zuhause mit Hilfe der KinderSpitex betreut. Immer mehr dieser Kinder sind auf Spitzenmedizin angewiesen.

Eines dieser Kinder ist die bald drei jährige Aimée.

Wegen einer komplexen Erkrankung des Verdauungstraktes ist sie auf künstliche Ernährung über eine Infusion und eine Magensonde angewiesen. Im Verlauf ihrer Erkrankung musste bei Aimée zudem ein künstlicher Darmausgang angelegt werden. Noch vor wenigen Jahren wäre es kaum denkbar gewesen, dass ein Kind mit derartigen Installationen und notwendigen Therapien zu Hause versorgt werden kann.

Denn die Pflege ist höchst komplex. Bei der täglichen Versorgung des Infusionskatheters und bei der Zubereitung der Infusionslösung müssen strikte Hygienerichtlinien eingehalten werden, um lebensbedrohliche Infektionen zu vermeiden. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die Familie und die Pflegefachfrauen der KinderSpitex. Kinder in Aimées Alter spielen am Boden und können nur bedingt verstehen, dass die spannenden Schläuche in Ruhe gelassen werden müssen.

Da die Pflegefachfrauen der  KinderSpitex nicht während 24 Stunden präsent sind, muss die Familie einen Teil der Pflege übernehmen: die Überwachung der Infusionspumpe, die Versorgung des künstlichen Darmausganges und die Ernährung über die Magensonde. Was in vielen Stunden zusammen mit den Pflegefachfrauen geübt wurde, ermöglicht es dem Kind trotz der Abhängigkeit von Spitzenmedizin zu Hause  leben zu können.

Die Einrichtung eines „Spitalzimmers“ zu Hause;

das heisst, dass die riesigen Schachteln mit Material, die notwenigen  Utensilien und Geräte für die aufwändige Pflege irgendwo in der Wohnung der Familie untergebracht werden und ein Platz eingerichtet wird, wo die Infusionslösung zubereitet werden kann. Da reicht die Grösse eines Wickeltisches nicht mehr.

Wer Aimée erlebt, wie sie sich  ruhig und gelassen auf ihren Stuhl setzt, merkt dass die kleine Persönlichkeit ganz genau weiss, was jetzt auf sie zukommt. Nur selten wehrt sie sich. Als würde sie wissen, dass es ohne nicht geht. Nach getaner Arbeit der Pflegefachfrau  „tropft“ die Infusionslösung mit den überlebenswichtigen Kalorien in ihre Vene.

Aimée darf sich von der Pflegenden verabschieden - und  sich von Mami eine Gute- Nacht-Geschichte  vorlesen lassen.

Maria Flury, Pflegewissenschaftlerin MScN, Pflegeexpertin

 

 

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